Hohentengen baut sein eigenes Gigabit-Internet – ohne Hilfe von außen
Eberhard KuhlHohentengen baut sein eigenes Gigabit-Internet – ohne Hilfe von außen
Ein kleines Städtchen in Baden-Württemberg hat nach jahrelangem Warten auf private Anbieter sein eigenes ultraschnelles Internetnetz aufgebaut. Hohentengen am Hochrhein bietet seinen Bürgern und Unternehmen nun Geschwindigkeiten von 1.000 Mbit/s – und das ohne große Straßenbauarbeiten oder explodierende Kosten. Das Projekt beweist, dass ländliche Gemeinden die digitale Infrastruktur selbst in die Hand nehmen können.
Die Idee entstand, als die Kommunalverwaltung erkannte, dass schnelles Internet unverzichtbar war, doch kein Unternehmen bereit war, es bereitzustellen. Statt weiter zu warten, beschloss man, das Netz einfach selbst zu bauen. Bürgermeister Martin Benz trieb den Plan trotz anfänglicher rechtlicher Hürden voran.
Um die üblichen Behinderungen durch Straßenaufgrabungen zu vermeiden, setzte der technische Leiter Andreas Nauroth auf ein minimalinvasives Verfahren zum Verlegen der Kabel. Das Ergebnis: ein 90 Kilometer langes Glasfasernetz mit über 10.000 Kilometern Kabel. Heute nutzen 96 Prozent der Haushalte in Hohentengen den Dienst.
Die Gemeinde finanzierte das drei Millionen Euro teure Projekt mit 465.000 Euro Eigenkapital und dem Rest über Kredite. Nach eineinhalb Jahren Wartezeit auf eine Genehmigung lehnte man staatliche Fördergelder ab. Trotz wettbewerbsfähiger Preise – 69 Euro im Monat für Internet, Telefon und Fernsehen – belaufen sich die Schulden der Netzbetreiber noch auf 280.000 Euro.
Bürgermeister Benz arbeitete mit den Unternehmen MOKO und MKTH GmbH zusammen, um das Vorhaben umzusetzen. Nun ruft er andere ländliche Gemeinden auf, es Hohentengen gleichzutun – mit Entschlossenheit, sorgfältiger Planung und starker Unterstützung aus der Bevölkerung.
Der Erfolg der Gemeinde zeigt, dass schnelles und bezahlbares Internet auch ohne staatliche Zuschüsse oder teure Bauarbeiten möglich ist. Der Ansatz – eine Mischung aus lokaler Initiative, kluger Technik und finanzieller Pragmatik – könnte zum Vorbild für andere ländliche Regionen werden. Mit fast allen Haushalten angeschlossen, hat das Projekt das tägliche Leben und die Wirtschaft vor Ort bereits nachhaltig verändert.






