20 April 2026, 02:20

Die verbotene Kunst: Wie Joseph Beuys 1988 heimlich in die DDR kam

Plakat für die Karlsbader Posthof-Ausstellung der Beaux Arts mit einer Person in einem weißen Kleid mit einem blauen und weißen gemusterten Schultertuch, die vor einem hellgelben Hintergrund mit schwarzer Schrift in einem weißen Rand steht.

Die verbotene Kunst: Wie Joseph Beuys 1988 heimlich in die DDR kam

In der frühen DDR fand im Januar 1988 die erste und einzige Ausstellung über Joseph Beuys statt. Die Schau markierte eine seltene Wende in der Kulturpolitik der DDR, die den Künstler jahrelang als "unerwünschte Person" eingestuft hatte. Trotz seines Todes 1986 ließ sich Beuys' Einfluss auf die Kunst selbst hinter dem Eisernen Vorhang nicht länger ignorieren.

Jahre lang hatte die sozialistische Führung Beuys als politische und künstlerische Bedrohung abgetan. Sein Ruf als gesellschaftlich engagierter Demokrat kollidierte mit der Staatsideologie. Doch Ende der 1980er Jahre war sein Einfluss zu groß geworden, um ihn weiter zu übergehen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Verhandlungen begannen, um die Ausstellung Beuys vor Beuys in die DDR zu holen. Die Schau zeigte 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, die den Zeitraum von 1946 bis 1966 umfassten. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, schrieb sogar an das ZK der SED, um Beuys' Bedeutung zu unterstreichen.

Die Ausstellung eröffnete Mitte Januar 1988 im Berliner Marstall und zog später an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst um, wo sie bis Mitte Mai zu sehen war. Doch die Organisatoren vermieden sorgfältig jede Erwähnung von Beuys' demokratischem Engagement oder seinen gesellschaftstheoretischen Ansätzen.

Die Ausstellung von 1988 blieb die einzige offizielle Präsentation von Beuys' Werk in der DDR. Zwar machte sie sein frühes Schaffen einem ostdeutschen Publikum zugänglich, doch seine politische Identität wurde ausgeblendet. Die Veranstaltung spiegelte sowohl die Zurückhaltung als auch die Unfähigkeit des Staates wider, sein künstlerisches Erbe vollständig zu unterdrücken.

Quelle