08 June 2026, 14:21

Zuckersteuer ab 2028: Warum die Regierung jetzt mit zweifelhaften Daten kämpft

Wie das Landwirtschaftsministerium Schön die Zuckerfortschritte Berechnet

Zuckersteuer ab 2028: Warum die Regierung jetzt mit zweifelhaften Daten kämpft

Die deutsche Bundesregierung hat Pläne für eine neue Steuer auf zuckerhaltige Getränke angekündigt, die 2028 in Kraft treten soll. Laut Angaben der Verantwortlichen soll die Maßnahme den Zuckerkonsum senken und die Belastung für das Gesundheitssystem verringern. Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass die in den vergangenen fünf Jahren gemeldeten Zuckerreduktionen nicht immer stimmig sind.

2024 gab das Bundeslandwirtschaftsministerium bekannt, der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken habe seit 2018 um 15 Prozent abgenommen. Interne Unterlagen belegen jedoch, dass der tatsächliche Rückgang nur 9,1 Prozent betrug. Die höhere Zahl basierte auf einem gewichteten Durchschnitt, der lediglich marktrelevante Getränke berücksichtigte und viele Produkte aus der Berechnung ausschloss. Zudem verschwieg die Pressemitteilung, dass methodische Probleme und eine kleinere Stichprobe aus dem Jahr 2018 die 15-Prozent-Angabe unsicher machten.

Weitere Analysen ergaben, dass sich der Zuckergehalt in allen untersuchten Erfrischungsgetränken seit 2022 nicht signifikant verringert hat. Besonders besorgniserregend: Getränke mit kindgerechtem Design wiesen 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker auf als 2019. Bei herkömmlichen gezuckerten Erfrischungsgetränken blieb der Zuckergehalt zwischen 2018 und 2024 weitgehend unverändert.

Die geplante Steuer soll sich am Zuckergehalt der Getränke orientieren. Produkte mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Bei einem Gehalt von fünf bis acht Gramm wird eine Abgabe von 26 Cent pro Liter fällig, während Getränke mit noch höherem Zuckeranteil mit 32 Cent besteuert werden. Die Regierung rechnet mit jährlichen Einnahmen von rund 450 Millionen Euro.

Interessenvertreter der Zuckerindustrie und der Getränkehersteller haben bereits mit Kampagnen gegen die geplante Abgabe begonnen.

Ziel der Steuer ist es, den Zuckerkonsum zu reduzieren und gleichzeitig die gesetzliche Krankenversicherung finanziell zu entlasten. Sollte sie wie geplant 2028 eingeführt werden, wird sie je nach Zuckergehalt gestaffelt erhoben. Die Diskrepanzen bei den gemeldeten Zuckerreduktionen werfen unterdessen Fragen zur Wirksamkeit der bisherigen freiwilligen Maßnahmen auf.

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