ZDK lehnt EU-Pläne für Gebrauchtwagen-Kennzeichnung strikt ab
Karl-Friedrich WielochZDK lehnt EU-Pläne für Gebrauchtwagen-Kennzeichnung strikt ab
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat sich gegen den jüngsten Vorschlag der Europäischen Kommission zur Fahrzeugkennzeichnung ausgesprochen. Die neuen Regeln, die mehr Transparenz bei Kraftstoffverbrauch und Emissionen schaffen sollen, würden erstmals auch gebrauchte Fahrzeuge in die Pflicht nehmen. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn warnt, der Plan sei undurchführbar und könnte den Gebrauchtwagenmarkt empfindlich stören.
Die Europäische Kommission will die bestehende Richtlinie 1999/94/EG durch strengere Kennzeichnungsvorschriften ersetzen. Diese würden Händler verpflichten, standardisierte Daten zu Kraftstoffeffizienz und Emissionen bereitzustellen – und zwar nicht nur für Neuwagen, sondern auch für Gebrauchtfahrzeuge. Peckruhn argumentiert, dieser Ansatz ignoriere die praktischen Realitäten.
Viele ältere Gebrauchtwagen wurden nach dem veralteten NEDC-Standard getestet, während neuere Modelle dem strengeren WLTP-System unterliegen. Händlern fehlen jedoch die Werkzeuge, um zwischen diesen Messwerten präzise umzurechnen. Der ZDK betont, dass solche Umrechnungen die Daten für Käufer nicht aussagekräftiger machen würden.
Ein weiteres zentrales Problem ist das Fehlen verlässlicher Verbrauchsdaten für umgerüstete Fahrzeuge. Die meisten Gebrauchtwagen auf dem Markt weichen von ihren ursprünglichen Spezifikationen ab, was eine exakte Angabe von Werten unmöglich macht. In einem Acht-Punkte-Positionspapier fordert der ZDK Brüssel auf, die Anforderungen für Gebrauchtwagen komplett fallen zu lassen und sich auf Neufahrzeuge zu konzentrieren.
Der Verband weist zudem auf Bedenken bei der Offenlegung des Batteriezustands von gebrauchten Elektroautos hin. Peckruhn hat das Bundeswirtschaftsministerium aufgefordert, einzugreifen und für rechtssichere sowie praktikable Regelungen zu sorgen. Ohne Änderungen könnten Händler den Handel mit älteren Gebrauchtwagen gänzlich einstellen.
Über die Kennzeichnung hinaus verlangt der ZDK klarere Vorgaben, wer für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich ist – Hersteller, Online-Plattformen oder Händler. Zudem fordert er eine einheitliche Marktüberwachung in der gesamten EU, um unterschiedliche Umsetzungspraxen zu vermeiden.
Die Kritik des ZDK zielt auf die praktischen und rechtlichen Hürden ab, die mit der Ausweitung der Kennzeichnungsregeln auf Gebrauchtwagen verbunden wären. Sollten die Vorschriften wie geplant umgesetzt werden, könnten Händler gezwungen sein, ältere Fahrzeuge aus dem Sortiment zu nehmen, statt Risiken durch Nichteinhaltung einzugehen. Der Verband wartet nun auf eine Reaktion der Politik auf seine Empfehlungen.






