24 January 2026, 22:43

Wie die evangelische Kirche 1945 ihre NS-Vergangenheit aufarbeitete – und warum es Kritik hagelte

Ein altes Dokument mit einer Zeichnung der St. Erasmus Kirche umgeben von Bäumen und Himmel, unterzeichnet von der deutschen Regierung.

Wie die evangelische Kirche 1945 ihre NS-Vergangenheit aufarbeitete – und warum es Kritik hagelte

1933 stand die evangelische Kirche in Deutschland vor tiefen Spaltungen, als der Einfluss der Nationalsozialisten wuchs. Oppositionelle Theologen wie Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer gründeten die Bekennende Kirche, um sich der nationalsozialistischen Gleichschaltung zu widersetzen. Nach dem Krieg 1945 sah sich die Kirche gezwungen, ihre Rolle in dieser Zeit aufzuarbeiten.

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Mit dem Aufstieg der NSDAP 1933 wurden Schlüsselpositionen in der evangelischen Kirche fast ausschließlich mit deren Anhängern besetzt. Noch im selben Jahr führte die Kirche den sogenannten Arierparagrafen ein, der Menschen jüdischer Abstammung ausschloss. Als Reaktion versammelten sich Theologen im September 1933 in Barmen, um die Bekennende Kirche zu gründen – eine offene Opposition gegen die nationalsozialistische Einmischung. Ab 1937 begann die Gestapo, widerständige Pfarrer wie Niemöller zu verhaften, während das Regime jede Form des Widerstands brutal unterdrückte.

Nach Kriegsende strebte die neu gegründete Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Rückkehr in die weltweite christliche Gemeinschaft an. Der Ökumenische Rat der Kirchen forderte jedoch eine Aufarbeitung der kirchlichen Verstrickungen in die NS-Zeit. Am 19. Oktober 1945 veröffentlichte die EKD die Stuttgarter Schulderklärung, in der sie eingestand, "unermessliches Leid über viele Völker gebracht" zu haben. Die Erklärung wurde im Rundfunk ausgestrahlt und in Zeitungen abgedruckt, sodass sie ein breites Publikum erreichte.

Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Im Ausland wurde die Erklärung zwar anerkannt, doch in Deutschland warfen Gegner ihr vor, den Holocaust nicht explizit zu nennen. Manche sahen darin den Versuch, eine umfassende Verantwortung zu umgehen. Bereits im August 1945 hatten katholische Bischöfe in einem Hirtenbrief ihre Mitschuld an NS-Verbrechen eingeräumt – doch auch dieses Dokument vermied eine klare Benennung des Holocaust.

Die Stuttgarter Schulderklärung war ein erster, wenn auch unvollkommener Schritt der evangelischen Kirche bei der Auseinandersetzung mit ihrem NS-Erbe. Die Debatten über ihre Reichweite hielten an, und die Aufarbeitung dieser Geschichte bleibt bis heute ein andauernder Prozess. Die Kirche setzt sich weiterhin kritisch mit ihren damaligen Handlungen und deren Folgen auseinander.