Weibliche Genitalverstümmelung: 230 Millionen Betroffene – doch die Dunkelziffer bleibt unklar
Svenja HeringWeibliche Genitalverstümmelung: 230 Millionen Betroffene – doch die Dunkelziffer bleibt unklar
FGM bei Frauen (FGM/C) bleibt ein global verbreitetes, aber ungleich dokumentiertes Problem. Neue Daten der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2024 zeigen, dass in 94 von 195 Ländern Fälle dieser Praxis registriert werden – in 101 Staaten gibt es hingegen keine offiziellen Statistiken, selbst wenn die Verstümmelung in abgelegenen Regionen möglicherweise weiterhin vorkommt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert FGM als jeden nicht-medizinischen Eingriff, der die weiblichen Genitalien verändert oder verletzt, oft mit langfristigen gesundheitlichen Folgen.
Mindestens 230 Millionen Frauen und Mädchen sind weltweit betroffen, doch präzise Zahlen liegen nur für 31 Länder vor. Die Verbreitung variiert stark: In Somalia haben über 90 Prozent der Frauen FGM erlebt, während die Praxis im Irak auf bestimmte Gemeinschaften beschränkt bleibt. Die meisten Eingriffe finden vor dem 15. Lebensjahr statt, manche auch später – etwa vor der Heirat oder einer Geburt.
Traditionell wird FGM von älteren Frauen oder Hebammen mit unsterilisierten Klingen, Scheren oder Messern durchgeführt. Betäubung oder Desinfektionsmittel kommen selten zum Einsatz, was das Risiko für starke Blutungen, Infektionen und langfristige Komplikationen wie Unfruchtbarkeit oder chronische Schmerzen erhöht. Ein WHO-Bericht von 2020 ergab zudem, dass jeder vierte Eingriff von medizinischem Fachpersonal vorgenommen wird – obwohl die Praxis international geächtet ist.
Die höchsten Fallzahlen verzeichnen Teile Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens. Dennoch sind jedes Jahr Millionen weitere Mädchen gefährdet, da kulturelle Normen und mangelnde Rechtsdurchsetzung die Praxis aufrechterhalten.
Trotz globaler Bemühungen bedroht FGM weiterhin die Gesundheit und Rechte von Frauen und Mädchen in fast der Hälfte aller Länder. Zwar melden 101 Staaten keine offiziellen Fälle, doch Lücken in der Datenerfassung deuten darauf hin, dass das tatsächliche Ausmaß größer sein könnte. WHO und UN betonen die Notwendigkeit strengerer Gesetze, Aufklärung und gemeinschaftlicher Initiativen, um die Praxis zu beenden.






