WBGU fordert: Natürliche Infrastruktur muss wie Straßen geschützt werden
Svenja HeringWBGU fordert: Natürliche Infrastruktur muss wie Straßen geschützt werden
Der Wissenschaftliche Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat einen neuen Bericht veröffentlicht, in dem er zu einem stärkeren Schutz natürlicher Infrastruktur aufruft. Darin wird auf die Risiken hingewiesen, die entstehen, wenn Ökosysteme ignoriert werden – Systeme, die das Leben grundlegend sichern und vor Extremereignissen schützen. Das Gremium setzt sich aus neun Expertinnen und Experten aus den Natur- und Sozialwissenschaften zusammen.
Laut Bericht wirken Ökosysteme wie Puffer gegen Hitzewellen, Pandemien und andere Krisen. Seen, Wälder und Moore sollten daher als kritische Infrastruktur behandelt werden – auf einer Stufe mit Straßen und Energienetzen. Versagen in diesen Bereichen könnte zu schweren Versorgungsengpässen führen.
Der Rat empfiehlt, bundesweit wichtige Naturräume systematisch zu erfassen. Zudem sollten Frühwarnsysteme entwickelt werden, um den Rückgang von Ökosystemen zu überwachen. In der militärischen Ausbildung solle das Bewusstsein für Umweltrisiken gestärkt werden, während der Nationale Sicherheitsrat den Schutz natürlicher Infrastruktur priorisieren solle.
Zur Finanzierung dieser Maßnahmen schlägt der Bericht vor, öffentliche und private Mittel zu mobilisieren. Unternehmen werden aufgefordert, freiwillig in Schutzmaßnahmen zu investieren. Die Entwicklungspolitik solle lokal geführte Initiativen unterstützen – als Vorbild wird die Coral Triangle Initiative genannt. Zudem rät der Rat zu einer globalen Umstellung der Energieerzeugung auf erneuerbare Quellen wie Solar- und Windkraft und verweist dabei auf wirtschaftliche, gesundheitliche und souveränitätsbezogene Vorteile.
Kürzungen bei Klimaprojekten würden lebenswichtige Unterstützung für Biodiversität und Ökosysteme entziehen. Davon betroffen wären vor allem lokale Gemeinschaften, während langfristig auch die globale Sicherheit geschwächt würde. Der Bericht bildet das erste Kapitel der Hauptstudie des Rates mit dem Titel „Sicherheit – nachhaltig und integriert“.
