Udo Kier – eine Filmlegende mit unvergesslicher Präsenz stirbt mit 81 Jahren
Eberhard KuhlZum Tod von Udo Kier: Hollywoods deutscher Charmeur - Udo Kier – eine Filmlegende mit unvergesslicher Präsenz stirbt mit 81 Jahren
Udo Kier, die deutsche Filmlegende mit der unverkennbaren Präsenz und einer schier endlosen Filmografie, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Sein Tod am 23. November markiert das Ende einer Karriere, die über 250 Filme umfasste und in der er mit einigen der größten Regisseure der Filmgeschichte zusammenarbeitete – ein unauslöschliches Erbe in der europäischen wie amerikanischen Kultur.
Geboren in den Trümmern des bombardierten Kölns nach dem Zweiten Weltkrieg, begann Kiers Weg zum Schauspieler an einem ungewöhnlichen Ort. In einer Arbeiterkneipe begegnete er zufällig Rainer Werner Fassbinder, eine Begegnung, die sein Leben verändern sollte. Fassbinder, fasziniert von Kiers Intensität, besetzte ihn in frühen Filmen und teilte sich sogar eine Wohnung mit ihm im Münchner Bohème-Viertel Schwabing.
In den 1970er-Jahren avancierte Kier zu einem der gefeiertsten Hauptdarsteller Europas, oft in einem Atemzug mit Alain Delon und Helmut Berger genannt – dank seiner hypnotischen Ausstrahlung. Seine durchdringenden Augen und markanten Züge machten ihn zum Liebling von Fotografen und Regisseuren wie Andy Warhol, Lars von Trier und Werner Herzog. Doch sein Talent beschränkte sich nicht auf sein Aussehen: Mehrfach spielte er Adolf Hitler, obwohl er dem Diktator äußerlich kaum ähnelte.
Kiers Furchtlosigkeit zeigte sich auch abseits der Leinwand. 1992 posierte er in Latex und Leder für Steven Meisels umstrittenes Fotobuch Sex, neben Madonna, Naomi Campbell und Isabella Rossellini. Hinter den Kulissen war er für seine Herzlichkeit bekannt – er stellte sich jedem Crew-Mitglied persönlich vor – und seine eiserne Disziplin. Selbst mit Anfang 50 mietete er sich für 3.000 Dollar im Monat ein Grab neben der Hollywood-Legende Cecil B. DeMille an – eine skurrile, aber bezeichnende Geste für seine lebenslange Faszination für Kunst und Nachruhm.
Eine seiner letzten Rollen hatte er 2021 in Swan Song, einem Film, der ihm besonders am Herzen lag. Er spielte einen ehemaligen Star-Friseur, der kurz aus seinem Pflegeheim flieht – eine berührende Reflexion über Alter und Erinnerung, die Publikum und Kritik gleichermaßen bewegte.
Kiers Tod hinterlässt ein Werk, das von avantgardistischem Kino bis zum Mainstream-Hollywood reicht. Seine Zusammenarbeit mit ikonischen Regisseuren und seine kompromisslose Herangehensweise an Rollen – ob dramatisch, bizarr oder zutiefst persönlich – festigten seinen Status als einzigartige Figur der Filmgeschichte. In Erinnerung bleiben wird er nicht nur für seine Schönheit und sein Talent, sondern für seine Hingabe an die Kunst und die Wärme, mit der er seine Mitmenschen behandelte.






