05 January 2026, 10:32

Theater an der Parkaue feiert DT64 mit rebellischem Stück *On Air On Fire*

Eine Gruppe Musiker, die verschiedene Instrumente spielen, auf einer Bühne mit einem großen schwarzen Lautsprecher links, während das Publikum davor steht und die Vorstellung genießt, mit einer grünen Fahne im Hintergrund.

Theater an der Parkaue feiert DT64 mit rebellischem Stück *On Air On Fire*

Ein neues Stück am Theater an der Parkaue erinnert an den rebellischen Geist von DT64, dem einst bahnbrechenden Jugendradio der DDR. On Air On Fire verbindet reale Ereignisse mit Fiktion und hält die letzten, trotzigsten Jahre des Senders vor seiner Schließung fest. Die von Alexander Riemenschneider inszenierte Produktion markiert den 74. Geburtstag des Theaters, indem sie jungen Stimmen eine Bühne gibt, um Geschichte – und sich selbst – zu erkunden.

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Das Theater an der Parkaue, 1950 als Theater der Freundschaft gegründet, ist seit jeher ein Ort für mutiges Erzähltheater. Zum diesjährigen Jubiläum wählte der künstlerische Leiter Riemenschneider On Air On Fire, um vor allem jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer anzusprechen. Das Stück, geschrieben von der ehemaligen DT64-Redakteurin Marion Brasch, speist sich direkt aus ihren Erfahrungen zwischen 1987 und 1992 – einer Zeit des Umbruchs, als das politische System der DDR zerfiel.

Braschs Drehbuch verwebt authentische Momente aus dem Newsroom, darunter einen entscheidenden Akt des Widerstands: Als eine Nachrichtensprecherin sich weigerte, den staatlich genehmigten Bericht über die Niederschlagung der Proteste am Platz des Himmlischen Friedens zu verlesen, wurde dies zum Wendepunkt. Die Inszenierung greift auch die Zensur von Rio Reisers Der Traum ist aus auf – ein wegen seiner politischen Texte verbotenes Lied, das unter der Belegschaft heftige Debatten auslöste. Diese Konflikte spiegelten die größeren Spannungen wider, als Hörerinnen und Hörer 1991 um den Erhalt von DT64 kämpften. Über die Bühne hinaus bietet das Theater Workshops an, in denen Jugendliche über die Themen des Stücks diskutieren. Ein prägnanter Satz – Eine Gesellschaft, die verlernt hat zu spielen – stammte von einer Teilnehmerin, die die freudlose Stimmung im Nachwende-Ostdeutschland reflektierte. Die Produktion will mehr sein als eine historische Aufarbeitung; sie schafft einen Raum, in dem junge Menschen heute Fragen stellen und – vor allem – einander zuhören können.

On Air On Fire ist zugleich Hommage an das Erbe von DT64 und eine Herausforderung an das Publikum. Durch die Verbindung von Archivmaterial, Live-Performance und jungen Stimmen hält die Inszenierung den Widerstandsgeist des Senders lebendig. Für das Theater unterstreicht das Projekt ein einfaches, aber dringliches Ziel: dass die Lehren der Vergangenheit auch heute noch Teil der Debatte bleiben.