Telematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Therapeuten auf 2027
Marika HeinzTelematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Therapeuten auf 2027
Deutschland hat die Frist für Therapeuten und Anbieter medizinischer Hilfsmittel zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) des Landes verschoben. Der neue Stichtag ist nun der 1. Oktober 2027. Die Verlängerung folgt auf Rückschläge bei der Einführung elektronischer Rezepte für Therapie- und Heilmittel.
Von der Fristverlängerung betroffen sind etwa 90.000 Leistungserbringer in der Branche. Viele hatten sich auf den ursprünglichen Zeitplan vorbereitet, erhalten nun aber drei zusätzliche Jahre für die Umsetzung. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten begrüßt die Entscheidung und argumentiert, dass so mehr Zeit bleibe, um die Infrastruktur weiterzuentwickeln.
Ein Unternehmen, das die Auswirkungen spürt, ist der IT-Dienstleister Cherry. Dessen Lösung TIM.Pro, die kürzlich die gematik-Zertifizierung erhalten hatte, hätte von der früheren Frist profitiert. Durch die Verzögerung geraten nun Millionen an erwarteten Einnahmen in Gefahr. Als Reaktion hat Cherry Maßnahmen eingeleitet, um die Verluste auszugleichen, darunter die Beschleunigung hochmargiger Ersatzprojekte. Zudem priorisiert das Unternehmen Software wie das Terminal-Management-System (TMS) und den TI-Messenger (TIM).
Trotz der Verschiebung wirbt das Deutsche Medizinische Rechenzentrum (DMRZ) weiterhin für eine freiwillige frühzeitige Nutzung der TI. Eine frühere Integration könne Anbietern helfen, Engpässe in letzter Minute zu vermeiden, wenn der neue Stichtag näher rückt.
Die verlängerte Frist gibt den Leistungserbringern nun bis 2027 Zeit, sich an die TI anzubinden. Cherry und andere Unternehmen müssen ihre Strategien an die Verzögerung anpassen. Gleichzeitig geht der Vorstoß für E-Rezepte und die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen weiter.






