Scholz verpasst Weiberfastnacht – und setzt auf Brüsseler Strategietreffen statt Karnevalstrubel
Svenja HeringScholz verpasst Weiberfastnacht – und setzt auf Brüsseler Strategietreffen statt Karnevalstrubel
Bundeskanzler Olaf Scholz wird in diesem Jahr die Feierlichkeiten zu Weiberfastnacht verpassen – ein zentrales Ereignis der deutschen Karnevalssaison. Stattdessen nimmt er an einem hochrangigen Strategietreffen in der Nähe von Brüssel teil. Die Terminwahl ist bemerkenswert, da der Kanzler eine persönliche Verbindung zu dieser Tradition hat und sogar seinen Geburtstag mit dem symbolischen Startdatum teilt.
Weiberfastnacht, das am Donnerstag vor Aschermittwoch begangen wird, ist tief in der rheinischen Kultur verwurzelt. Die im 19. Jahrhundert entstandene Tradition geht auf mittelalterliche Bräuche zurück, bei denen Frauen spielerisch gesellschaftliche Normen auf den Kopf stellten. Heute stürmen sie Rathäuser, schneiden Männern die Krawatten ab und tragen aufwendige Kostüme – eine Praxis, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine feministische Bedeutung gewann. Politiker gingen im Laufe der Zeit unterschiedlich damit um: Helmut Kohl feierte einst ausgiebig mit, während Scholz sich 2024 angesichts der #MeToo-Debatten von sexistischen Karnevalssprüchen distanzierte.
Die Verbindung des Kanzlers zum Karneval geht über die Politik hinaus. Geboren am 11. November 1955 – dem inoffiziellen Beginn der "fünften Jahreszeit" – konnte er bereits drei "runde Geburtstage" (22, 33 und 44) an diesem Datum feiern. Seine rheinische Großmutter aus Andernach verstärkt zudem seine Bindung an die regionalen Bräuche. Zwar wird er in diesem Jahr nicht öffentlich mitfeiern, doch plant er, etwas Karnevalsstimmung in eine spätere Kabinettssitzung zu bringen.
Scholz' Abwesenheit fällt in eine Phase, in der er sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie konzentriert. Das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindende Treffen in Brüssel spiegelt seine aktuellen Prioritäten wider. Dennoch unterstreichen seine persönliche Geschichte und frühere Karnevalsengagements die kulturelle Bedeutung des Festes – selbst für Spitzenpolitiker.
Der Terminplan des Kanzlers zeigt das Spannungsfeld zwischen Tradition und Amtspflichten. Während Weiberfastnacht als lebendige, sich wandelnde Feier weitergeht, bleibt Scholz' Teilnahme – ob symbolisch oder direkt – mit größeren Debatten über Geschlechterrollen, Politik und kulturelle Identität verknüpft. Seine Abwesenheit in diesem Jahr lenkt den Fokus auf die Politik, doch die Verbindung zwischen seiner Führung und dem Karnevalserbe besteht fort.






