21 December 2025, 22:44

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

Skulpturen und eine Wand mit Text in der Mitte.

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Begehren

Was tun mit einem Skandalwerk von vor 100 Jahren, wenn der Skandal verflogen ist? An der Komischen Oper Berlin präsentiert Evgeny Titov eine neue Deutung von Richard Strauss’ Salome – gesangsfreundlich inszeniert.

Die Komische Oper Berlin hat eine kühne Neuinszenierung von Salome vorgestellt, geregiet von Evgeny Titov. Die am 22. und 23. November 2025 uraufgeführte Produktion zeigt Nicole Chevalier in der Titelrolle und James Gaffigan am Dirigierpult. Diese jüngste Interpretation von Strauss’ umstrittenem Werk bietet einen frischen, wenn auch nicht unumstrittenen Blick auf das einst skandalträchtige Stück.

Titovs Inszenierung verzichtet auf die üppige Sinnlichkeit des Originals und ersetzt sie durch einen kargen, matt-goldenen Gewölberaum, gestaltet von Rufus Didwiszus. Das Begehren beherrscht die Handlung, wobei die Figuren aneinanderklammern, während ihre Sehnsucht abgewiesen wird. Doch die Regie stößt an Grenzen – insbesondere bei einer BDSM-Party-Ästhetik, die plump wirkt und in entscheidenden Momenten verpufft.

Die Inszenierung trifft ungewöhnliche Entscheidungen: Salomes Tanz wird von mehreren maskierten Gestalten ausgeführt, wodurch sie zur passiven Figur statt zur handlungsmächtigen Frau reduziert wird. Chevalier hat mit körperlichen Herausforderungen zu kämpfen, behindert durch eine weiße Kapuze, die ihre Bewegungen einschränkt und sie zwingt, gegen Strauss’ überwältigende Orchestrierung anzusingen. Günter Papendell als Jochanaan liefert seine Partien mit stimmlicher Kraft, doch seine innere Zerrissenheit wird durch sichtbare Anspannung deutlich. Matthias Wohlbrechts Herodes besticht durch einen schneidenden, scharfen Gesangston, der die Furcht und Bedrohlichkeit des Königs unterstreicht. Trotz einiger Schwächen bleibt die Produktion eine fesselnde und respektvolle Annäherung an Strauss’ Werk. Weitere Vorstellungen sind für den 7., 12. und 18. Dezember angesetzt.

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Titovs Salome bietet eine schroffe, zum Nachdenken anregende Lesart eines notorisch schwierigen Opernstoffs. Zwar schwächen manche Regieentscheidungen die Gesamtwirkung, doch die starken Darbietungen und das mutige Bühnenbild hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Die Produktion bestätigt den Ruf der Komischen Oper Berlin für wagemutige, innovative Inszenierungen.