17 December 2025, 16:59

Rosa von Praunheim – ein Leben zwischen Provokation und queerer Revolution

Ein Collage mit verschiedenen Frauen in unterschiedlichen Kostümen, jede begleitet von Text und Dollarbeträgen.

Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt - Rosa von Praunheim – ein Leben zwischen Provokation und queerer Revolution

Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren

Rosa von Praunheim, Pionier des queeren Kinos und prägende Figur der deutschen Schwulenbewegung, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Nur wenige Tage zuvor hatte er seinen langjährigen Partner Oliver Sechting in einer privaten Zeremonie geheiratet. Mit seinen mutigen Filmen und kompromisslosen Aktivismus hinterlässt von Praunheim ein bleibendes Erbe in Kultur und Politik.

Geboren 1942, wurde Rosa von Praunheim zu einer der prägendsten Stimmen des queeren Filmschaffens. Sein Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) entfachte die deutsche Schwulenbewegung, löste öffentliche Proteste aus und provozierte gesellschaftliche Debatten. Das provokante Werk festigte seinen Ruf als Regisseur, der sich nicht scheute, Konventionen herauszufordern.

Während der AIDS-Krise widmete er sich zunehmend dem Aktivismus, kämpfte für sicheren Sex und HIV-Aufklärung. Seine Bemühungen retten vermutlich unzählige Leben, indem er Bildung und Prävention vorantrieb. Über das Kino hinaus war er eine streitbare Präsenz in TV-Talkshows, wo er Prominente öffentlich outete, um Diskussionen über Homosexualität zu erzwingen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Seine Karriere umfasste Jahrzehnte und Kontinente: Er drehte Dokumentarfilme in New York („Überleben in New York“, „New York Memories“), in Riga („Meine Mütter – Spurensuche in Riga“) und sogar einen avantgardistischen Reisefilm, der in zwölf Städten – darunter Hongkong – entstand. Andere Werke wie „Transsexual Menace“ feierten auf internationalen Festivals in San Francisco, Los Angeles und Tokio Premiere. Zu seinen letzten Projekten zählten „Rex Gildo: Der letzte Tanz“ (2023) und „Satanische Sau“ (2025) – ein Beweis für seine ungebrochene kreative Energie.

Auch sein Privatleben war so unkonventionell wie seine Kunst. Offen sprach er über den Tod, nannte ihn ein „wunderbares Gefühl“ und scherzte über „Sex nach dem Tod“. Die Heirat mit Sechting nach Jahren gemeinsamer Zeit bildete einen berührenden Schlussakt.

Rosa von Praunheims Tod hinterlässt ein Vermächtnis aus furchtlosen Geschichten und aktivistischem Engagement. Seine Filme prägten das queere Kino, sein Einsatz während der AIDS-Krise hatte reale Auswirkungen. Zwar ist er nicht mehr unter uns – doch sein Werk, auf der Leinwand wie in der Gesellschaft, wird noch lange nachwirken.