Revolution am Rhein: 124 schwimmende Mini-Turbinen erobern St. Goar
Karl-Friedrich WielochRevolution am Rhein: 124 schwimmende Mini-Turbinen erobern St. Goar
Am Rhein entsteht ein neuartiges Wasserkraftwerk. In St. Goar sollen 124 Energyfish-Einheiten installiert werden – die erste großflächige „Schwarmkraftanlage“ ihrer Art. Das Projekt setzt auf kleine, schwimmende Turbinen, die Fließgewässer effizient und umweltverträglich nutzen.
Der Energyfish, entwickelt vom Unternehmen Energyminer, ist eine kompakte Turbine, die im strömenden Wasser verankert wird. Jede Einheit misst etwa 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von rund 80 Kilogramm. Sie kann bis zu 6 Kilowatt Leistung erzeugen, mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von etwa 1,8 Kilowatt pro Einheit.
Die Konstruktion ist fischfreundlich und kann bei Hochwasser abtauchen, um Treibgut zu umgehen. Die Montage geht schnell vonstatten: Zehn Einheiten lassen sich in etwa drei Tagen aufbauen, sobald die Genehmigungen vorliegen. Beton oder schwere Baumaßnahmen sind nicht nötig – die Installation gestaltet sich damit deutlich einfacher als bei herkömmlichen Kraftwerken.
Laut Energyminer produziert jede Einheit jährlich rund 15 Megawattstunden. Ein Schwarm von 100 Einheiten könnte somit etwa 1,5 Gigawattstunden pro Jahr erzeugen – genug, um rund 470 Haushalte mit Strom zu versorgen. Das Unternehmen gibt die gestützten Stromgestehungskosten mit 0,08 Euro pro Kilowattstunde an, wobei Investitionen, Betrieb und Wartung eingerechnet sind. Die durchschnittliche jährliche Rendite liege über 20 Jahre bei mindestens 8 Prozent.
Ein kleineres Pilotprojekt läuft bereits im Münchner Auer Mühlbach, in der Nähe eines klassischen Wasserkraftwerks. Flüsse bieten in manchen Regionen eine zuverlässigere Energiequelle als Sonne oder Wind, auch wenn Strömungsgeschwindigkeiten und Treibgut variieren können.
Die Anlage in St. Goar markiert einen wichtigen Schritt für die schwimmende Hydrokinetik-Technologie. Mit 124 Einheiten wird hier die Effizienz und Skalierbarkeit des Energyfish-Systems auf die Probe gestellt. Bei Erfolg könnte die Technologie eine zuverlässige, umweltschonende Energiequelle für Gemeinden an Fließgewässern werden.
