Rébecca Chaillons radikale Performance feiert Körperakzeptanz in Montreuil
Karl-Friedrich WielochRébecca Chaillons radikale Performance feiert Körperakzeptanz in Montreuil
Rébecca Chaillon präsentiert mit Die Parabel der Säure eine mutige Performance in Montreuil
In Montreuil führte Rébecca Chaillon eine provokante und mutige Performance mit dem Titel Die Parabel der Säure auf. Die Show vereinte sieben Darstellende, die sich nicht in herkömmliche Schönheits- und Körpernormen pressen lassen. Gemeinsam erkundeten sie Themen wie Identität, Glauben und körperliche Selbstbestimmung – und das aus einer ungewöhnlichen, radikalen Perspektive.
Die Aufführung begann mit der Ensemble in buttergelben Roben, das über Berge aus Butter kletterte. Fast drei Stunden lang stellten die Performenden auf der Bühne selbst Butter her – eine Aktion, die die geplante Spieldauer deutlich verlängerte. An einem Punkt verteilte Julie Teuf Butter an das Publikum, lud zum Kosten ein und verloste sogar Lebensmittel.
Die Gruppe inszenierte Szenen aus der Castingshow The Biggest Loser nach, übergossen sich gegenseitig mit Gelee und wälzten sich auf dem Boden. Offen sprachen sie über ihre Erfahrungen als Heranwachsende in den Pariser Banlieues, über körperliche Gewalt, Essattacken und zwanghaftes Shoppen. Die Darstellenden entschuldigten sich sogar für ihre Körper, die sie als aufrührerisch beschrieben, und teilten intime Geständnisse über ungewöhnliche Essgewohnheiten.
Inspiriert von Octavia Butlers Roman Parable of the Sower (Die Parabel von der Säerin) untersuchte die Produktion die „Magie des Glaubens“ in verschiedenen Lebensbereichen. Chaillon, die sich selbst als „schwarze, fette, kinderlose, alternde Lesbe“ bezeichnet, führte Regie und stand selbst auf der Bühne. Die zentrale Botschaft war unmissverständlich: Eine Gemeinschaft von Menschen, die sich als fat identifizieren, stellt sich den Realitäten ihrer Körper mit Ehrlichkeit und Trotzigkeit entgegen.
Nach einer ausgedehnten Auseinandersetzung mit Butter in all ihren Formen endete die Performance. Zurück blieb ein eindringliches Bild von Körperakzeptanz und kollektivem Widerstand. Mit ihrem einzigartigen Ansatz und den schonungslos offenen Gesprächen setzte die Show ein nachhaltiges, zum Nachdenken anregendes Zeichen.
