25 June 2026, 12:16

NGOs fordern radikale Wende in der deutschen Entwicklungspolitik

Hilfsorganisationen kritisieren fehlende Strategie

NGOs fordern radikale Wende in der deutschen Entwicklungspolitik

Spitzenvertreter zweier großer deutscher NGOs stellen Jahresbilanz der Entwicklungspolitik vor

Die Leiter zweier führender deutscher Nichtregierungsorganisationen haben am Mittwoch ihre jährliche Bewertung der Entwicklungspolitik des Landes vorgestellt. Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes nahmen die Pläne der Bundesregierung unter die Lupe und forderten dringende Kurskorrekturen. Ihr Bericht benennt gravierende Lücken in den aktuellen Strategien angesichts eskalierender globaler Krisen.

Mogge und Hofert anerkannten zwar die Reformbemühungen der Regierung im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, kritisierten jedoch, dass den Vorschlägen eine klare, einheitliche Vision fehle. Die Organisationen betonten, dass die zunehmenden Konflikte, die Folgen des Klimawandels und wirtschaftliche Instabilität entschlossenes Handeln erforderten.

Die NGOs forderten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf, die Zivilgesellschaft stärker in Entscheidungsprozesse einzubinden. Sie bestanden darauf, dass Partnerländer, lokale Gruppen und junge Menschen eine verbindliche Rolle bei der Gestaltung der Reformen spielen müssten. Hofert warnte davor, den Prozess als rein verwaltungstechnische Aufgabe von Berlin aus zu steuern.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik lag auf der Finanzierung humanitärer Hilfe. Der Bericht verlangt eine Aufstockung der Mittel von derzeit einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro im nächsten Haushalt. Mogge unterstrich, dass präventive Maßnahmen und nicht nur Nothilfemaßnahmen finanziert werden müssten, um Krisen wirksamer zu begegnen.

Beide Vertreter hoben hervor, dass die Qualität der Hilfe Vorrang vor der Quantität haben müsse. Mogge forderte weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Organisationen. Zudem wiesen sie auf die zunehmenden Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Gefahren einer Politisierung der Hilfe hin, die deren eigentlichen Zweck untergrabe.

Der Bericht mahnt außerdem an, dass Deutschland seine eigenen Interessen stärker mit denen der Partnerländer in Einklang bringen müsse. Andernfalls drohten Vertrauensverlust und eine Schwächung der Wirksamkeit der Entwicklungspolitik.

Die gemeinsame Analyse plädiert für eine tiefgreifendere Einbindung der Zivilgesellschaft und eine konsequentere Ausrichtung auf Krisenprävention. Zudem wird eine deutliche Erhöhung der humanitären Mittel gefordert, um den wachsenden globalen Bedarf zu decken. Die NGOs warnen, dass die deutsche Entwicklungspolitik ohne diese Änderungen kaum in der Lage sein werde, den aktuellen und künftigen Herausforderungen gerecht zu werden.

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