Neues Gesetz gefährdet langfristige Wirtschaftsstudien durch Datenlöschung
Eberhard KuhlNeues Gesetz gefährdet langfristige Wirtschaftsstudien durch Datenlöschung
Der Deutsche Bundestag prüft derzeit eine geplante Änderung des Bundesstatistikgesetzes, die Unternehmen dazu zwingen würde, ihre Daten nach einem Jahrzehnt zu löschen. Ökonomen und Forscher haben scharfe Kritik geäußert und warnen, dass dieser Schritt langfristige Wirtschaftsstudien schwer beeinträchtigen würde. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie Datenschutz und die Anforderungen statistischer Analysen in Einklang gebracht werden können.
Die Novelle würde das Statistische Bundesamt (Destatis) verpflichten, Unternehmensidentifikationsnummern nach zehn Jahren zu löschen. Diese eindeutigen Kennungen ermöglichen es Forschern im Rahmen des AFiD-Projekts – das verschiedene Datensätze zusammenführt –, Unternehmen über längere Zeiträume zu verfolgen. Ohne sie würden Längsschnittstudien zu Unternehmenswachstum, Produktivität und Markttrends deutlich erschwert.
Der Verein für Socialpolitik, der 4.000 Ökonomen vertritt, veröffentlichte einen offenen Brief gegen den Plan. Darin heißt es, die Löschung dieser Datensätze würde die Forschung zu Wirtschaftstrends, Innovation und den Auswirkungen politischer Maßnahmen massiv behindern. Auch Theresia Bauer, Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstministerin von Baden-Württemberg, kritisierte den Vorschlag scharf und bezeichnete ihn als Gefahr für eine evidenzbasierte Politikgestaltung.
Befürworter des aktuellen Systems verweisen darauf, dass Destatis bereits strenge Schutzmaßnahmen umsetzt: Die Daten werden anonymisiert, und Forscher können nur in gesicherten Einrichtungen darauf zugreifen. Statt die Speicherfristen zu begrenzen, fordert der Verband die Abgeordneten auf, sich darauf zu konzentrieren, die Qualität amtlicher Statistiken zu verbessern – statt deren Nutzung einzuschränken.
Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde es Studien gefährden, die auf jahrzehntelang verknüpfte Unternehmensdaten angewiesen sind. Forscher verlören die Möglichkeit, langfristige wirtschaftliche Entwicklungen zu analysieren – mit Folgen sowohl für die akademische Arbeit als auch für politische Entscheidungen. Die endgültige Abstimmung über die Änderung wird zeigen, ob diese Bedenken berücksichtigt oder übergangen werden.






