13 March 2026, 20:30

Grüne siegen knapp in Baden-Württemberg – Özdemir soll Ministerpräsident werden

Ein Plakat mit einem detaillierten Stadtplan von Spruidel, Deutschland, sowie begleitendem Text.

Grüne siegen knapp in Baden-Württemberg – Özdemir soll Ministerpräsident werden

Die Grünen gewinnen die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 knapp mit 30,2 Prozent – Özdemir soll Ministerpräsident werden

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026 haben die Grünen mit 30,2 Prozent der Stimmen knapp die CDU (29,7 Prozent) geschlagen. Cem Özdemir, ehemaliger Bundesminister und langjähriges Bundestagsmitglied, soll nun Ministerpräsident des Landes werden – obwohl er bisher noch nie ein regionales Amt innehatte. Gleichzeitig sorgt die mögliche Berufung des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer in die Landesregierung für Kontroversen, da seine wiederholten provokanten Äußerungen die Partei spalten.

Özdemirs politische Laufbahn begann 1981 in Baden-Württemberg, doch seine Erfahrung liegt vor allem auf Bundesebene. Von 2021 bis 2025 war er Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, später übernahm er nach dem Scheitern der Ampel-Koalition das Bildungsressort. 2021 gewann er zudem das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Stuttgart I. Nach dem knappen Wahlsieg der Grünen hat er nun eine Machtteilung oder Rotation mit der CDU in den Koalitionsverhandlungen ausgeschlossen.

Palmers mögliche Regierungsbeteiligung löst heftige Debatten aus Der Tübinger Oberbürgermeister, einst ein Hoffnungsträger der Grünen, steht wegen seiner wiederholten provokanten Aussagen in der Kritik. So verwendete er auf einer Migrationskonferenz das N-Wort, während er Vorwürfe des Nazismus mit dem Zwang für Juden, den Judenstern tragen zu müssen, verglich. Auf Facebook behauptete er zudem, der Fußballer Dennis Aogo habe geprahlt, einer Frau seinen "Negerschwanz" angeboten zu haben. Während der Pandemie argumentierte Palmer, Deutschland verschwende Ressourcen an ältere oder kranke Patienten, die "ohnehin in sechs Monaten tot" seien.

Diese Äußerungen führten dazu, dass die Grünen ihm die Unterstützung entzogen und ein Parteiausschlussverfahren einleiteten. Dennoch zeigt Palmers Bilanz in Tübingen eine Mischung aus Skandalen und Erfolgen: Er verband wirtschaftliches Wachstum mit drastischen CO₂-Reduktionen und gilt manchen als führender sozial-ökologischer Pragmatiker Deutschlands. Unterstützer wie der Journalist Peter Unfried argumentieren, seine Ernennung könnte der Partei helfen, starre Dogmen abzulegen und eine vielfältigere Gesellschaft besser abzubilden. Unfried hält die möglichen Vorteile einer Integration Palmers für größer als die Risiken.

Kritiker hingegen sehen in ihm eine Belastung. Die Parteimitglied Alice von Lenthe bezeichnet ihn als Menschenfeind, Rassisten und Holocaust-Verharmloser. Sie besteht darauf, dass sein bisheriges Verhalten ihn für jedes Ministeramt disqualifiziere.

Özdemir steht kurz davor, die erste grün geführte Landesregierung in Baden-Württemberg anzuführen – doch seine Personalentscheidungen werden genau beobachtet. Die Frage, ob Palmer eine Rolle spielen wird, könnte entweder einen mutigen Kurswechsel der Partei einläuten oder die inneren Gräben vertiefen. Für die Grünen geht es nun darum, politischen Pragmatismus mit den Folgen von Palmers langjährigen umstrittenen Aussagen in Einklang zu bringen.

Quelle