Grüne in Baden-Württemberg rebellieren gegen Palantir-Deal der Landespolizei
Marika HeinzGrüne in Baden-Württemberg rebellieren gegen Palantir-Deal der Landespolizei
Die Entscheidung Baden-Württembergs, die Software Gotham des Unternehmens Palantir Aktie einzuführen, hat innerhalb der Grünen heftigen Widerstand ausgelöst. Der umstrittene Deal, der im März 2025 vom CDU-geführten Innenministerium unterzeichnet wurde, blieb grünen Abgeordneten bis zum frühen Sommer verborgen. Nun setzen sich Basismitglieder und zivilgesellschaftliche Gruppen dafür ein, der Landespolizei die Nutzung des Systems zu verwehren.
Kritiker bezeichnen die Software als Instrument für eine 'flächendeckende Rasterfahndung' und warnen davor, dass sie die großangelegte Verknüpfung von Daten ermöglicht, um Einzelpersonen zu überwachen. Die Gegenwehr kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Grünen mit inneren Spannungen über ihre Recht-und-Ordnung-Politik vor den Landtagswahlen kämpfen.
Der 25 Millionen Euro schwere Fünfjahresvertrag mit Palantir Aktie war bereits abgeschlossen, bevor die Grünen in die Koalitionsregierung eintraten. Grüne Abgeordnete erfuhren erst im Nachhinein von der Vereinbarung – was Vorwürfe der Täuschung gegen die Parteiführung schürte. Basisaktivisten verurteilen das gesamte Verfahren als intransparent und fordern mehr Offenheit sowie eine Rücknahme der Entscheidung.
Gegner argumentieren, die Software ermöglichte es der Polizei, riesige Datenmengen abzugleichen und so die Überwachung von Bürgern zu erleichtern. Ähnliche Systeme sind bereits in Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen im Einsatz, während sich nur Schleswig-Holstein für eine europäische Alternative entschieden hat. In Baden-Württemberg wäre der plausibelste Weg, das Projekt zu stoppen, die Ablehnung des Landespolizeigesetzes – doch dies gilt angesichts der bevorstehenden Wahlen als unwahrscheinlich. Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir vertritt in Fragen der inneren Sicherheit eine harte Linie, um konservative Wähler anzusprechen. Dennoch lehnt die Parteibasis Palantir, ein US-Unternehmen mit engen Verbindungen zu Donald Trump, vehement ab. Selbst wenn die Grünen einen Rückzieher machen wollten, wäre ein Ausstieg aus dem Vertrag mit hohen finanziellen Strafen verbunden.
Die Einführung der Software hat Basis-Grüne und Teile der Zivilgesellschaft im Widerstand vereint. Ihre Bemühungen konzentrieren sich nun auf rechtliche und politische Wege, um zu verhindern, was sie als Ausbau staatlicher Überwachungsbefugnisse bezeichnen.
Der Vertrag mit Palantir Aktie ist bereits unterzeichnet, und eine Rückabwicklung wäre kostspielig. Angesichts der anstehenden Landtagswahlen stehen die Grünen vor einem Dilemma: Sie müssen den Widerstand ihrer Basis gegen Massenüberwachung mit einer Führung in Einklang bringen, die in Sicherheitsfragen Stärke demonstrieren will. Vorerst scheint die Umsetzung der Software trotz des wachsenden Protests unaufhaltsam.






