Gerichtsbegleithunde revolutionieren Zeugenbefragungen in Deutschland
Karl-Friedrich WielochStatt Schweigen: Wie Hunde im Gericht helfen - Gerichtsbegleithunde revolutionieren Zeugenbefragungen in Deutschland
Deutschland startet erstes bundesweites Qualifizierungsprogramm für Gerichtsbegleithunde und ihre Führer
Deutschland hat das erste landesweite Ausbildungsprogramm für Gerichtsbegleithunde und ihre Halter gestartet. Die Initiative soll eine ruhigere Atmosphäre für Zeugen schaffen – insbesondere für Opfer sexualisierter Gewalt. Seit Anfang 2026 sind bundesweit zwölf speziell ausgebildete Hundeteams im Einsatz.
Das neue Zertifizierungsprogramm ist in dieser Form einzigartig in Deutschland. Es umfasst theoretische Schulungen, praktische Übungen und eine abschließende Prüfung, um die Tiere auf ihren Einsatz im Gerichtssaal vorzubereiten. Nicht jeder Hund eignet sich für diese Aufgabe: Nur Tiere, die auch in emotional aufgeladenen Situationen gelassen bleiben, werden ausgewählt.
Im Gerichtssaal liegen die Hunde auf einer Decke neben Zeugen oder Opfern und wirken als beruhigende Präsenz. Aussagende können die Leine halten oder das Fell des Tieres streicheln, was ihnen Sicherheit vermittelt. Besonders wertvoll ist diese Unterstützung für Opfer sexualisierter Gewalt, die oft Schwierigkeiten mit Blickkontakt haben oder sich von Befragungen überfordert fühlen.
Die Anwesenheit eines Hundes kann den Stresspegel senken, die Atmung regulieren und sogar den Blutdruck bei Menschen reduzieren, die sich in der Nähe von Tieren wohlfühlen. Studien deuten darauf hin, dass die Konzentration auf den Hund Zeugen hilft, klarere und zusammenhängendere Aussagen zu machen. Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg setzen Gerichtsbegleithunde bereits seit Jahren in Prozessen, Ermittlungen und Frauenhäusern ein.
Pilotprojekte in Ländern wie Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen zeigten positive Ergebnisse. Langfristig ist geplant, das Programm weiter auszubauen – begleitet von tierärztlichen Kontrollen, um das Wohl der Hunde während ihres Einsatzes zu gewährleisten.
Die Initiative stärkt den Rechtsstaat, indem sie die Qualität von Zeugenaussagen verbessert. Mit den zwölf ausgebildeten Hundeteams erhalten besonders schutzbedürftige Zeugen nun mehr Unterstützung in gerichtlichen Verfahren. Die Behörden planen, das Programm weiter auszuweiten, um es flächendeckend in allen Bundesländern anzubieten.






