Europawahl 2024: 16-Jährige dürfen erstmals wählen – doch die AfD lockt junge Männer an
Karl-Friedrich WielochEuropawahl 2024: 16-Jährige dürfen erstmals wählen – doch die AfD lockt junge Männer an
Deutschland hat das Wahlalter für die anstehenden Europawahlen auf 16 Jahre gesenkt. Durch diese Änderung dürfen nun rund 4,8 Millionen junge Deutsche sowie 300.000 junge EU-Bürger im Land erstmals ihre Stimme abgeben. Unterdessen gerät die rechtspopulistische AfD in die Kritik, da ihr Spitzenkandidat Maximilian Krah wegen des Verdachts auf Annahme von Zahlungen aus Russland ermittelt wird.
Die Partei wirbt gezielt um junge Wähler vor der Abstimmung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland die AfD unterstützen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 7 Prozent, die die Partei 2019 bei den 18- bis 29-Jährigen erreichte.
Mit der Herabsetzung des Wahlalters reiht sich Deutschland neben Österreich, Belgien, Malta und Griechenland ein, wo 16- und 17-Jährige bereits bei Europawahlen wahlberechtigt sind. Studien zufolge blicken junge Deutsche positiver auf das Europäische Parlament als der Bevölkerungsdurchschnitt. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen äußern 41 Prozent eine günstige Meinung, während es in allen Altersgruppen nur 34 Prozent sind.
Der Vorstoß der AfD, junge Wähler zu gewinnen, fällt in eine Phase des Wandels politischer Einstellungen unter Jugendlichen. Seit 2015 neigen junge Deutsche zunehmend zu linksgerichteten und postmateriellen Werten. Allerdings zeigt sich ein klarer Geschlechterunterschied: Junge Männer tendieren eher zur AfD als junge Frauen.
Die Wahlkampagne der Partei wird durch Berichte erschwert, wonach Krah, ihr Spitzenkandidat, möglicherweise Gelder aus russischen Quellen angenommen hat. Die Ermittlungen laufen noch, doch die Vorwürfe haben bereits vor der Wahl für Aufsehen gesorgt.
2019 erhielt die AfD nur 7 Prozent der Stimmen von den 18- bis 29-Jährigen. Jetzt deuten Umfragen darauf hin, dass die Unterstützung unter den 14- bis 29-Jährigen auf 22 Prozent gestiegen ist – mehr als eine Verdreifachung.
Der erweiterte Wählerkreis umfasst Millionen Erstwähler, von denen viele das Europäische Parlament positiver bewerten als ältere Generationen. Doch die wachsende Anziehungskraft der AfD auf junge Männer und die Kontroverse um Krah könnten das Wahlergebnis beeinflussen. Mit der nun auch für 16-Jährigen geöffneten Wahl könnte sich zeigen, wie sich die politischen Prioritäten der jüngsten Bürger Deutschlands verschieben.






