Dänemarks Apothekenreformen zeigen dramatische Folgen für die Branche seit 2001
Eberhard KuhlDänemarks Apothekenreformen zeigen dramatische Folgen für die Branche seit 2001
Dänemarks Apothekenbranche durchläuft seit 2001 tiefgreifende Veränderungen: Marktliberalisierung und strengere finanzielle Vorgaben haben die Branche grundlegend umgestaltet. Die Zahl der Apothekenbesitzer ist gesunken, während die durchschnittliche Filialleiterin oder der durchschnittliche Filialleiter heute mehr Standorte als je zuvor verantwortet. Gleichzeitig hat der Wettbewerb durch Handelsketten und neue Abgabemodelle den Druck auf traditionelle Apotheken weiter verstärkt.
Die 2001 eingeführten Reformen öffneten den dänischen Apothekenmarkt für mehr Wettbewerb. Die Zahl der Apothekeninhaber verringerte sich um 20 Prozent – von 220 im Jahr 2001 auf 176 bis 2024. Gleichzeitig stieg die Arbeitsbelastung der Filialleitungen: Lag die durchschnittliche Zahl der betreuten Standorte pro Person 2015 noch bei 1,95, waren es 2024 bereits 3,10.
Hinzu kam der Aufstieg schlanker Servicepunkte, darunter rezeptfreie Verkaufsstellen und Abholstellen für verschreibungspflichtige Medikamente. Diese vereinfachten Modelle trugen dazu bei, dass die Gesamtzahl der Filialen von 76 auf 301 anstieg – auch wenn die Neueröffnungen seit 2021 nachgelassen haben. Viele traditionelle Apotheken verringerten ihre Kapazitäten, um mit der wachsenden Zahl dieser ad-hoc-Abgabestellen Schritt zu halten.
Seit 2004 herrscht harter Wettbewerb durch Einzelhandelsketten, vor allem im Markt für rezeptfreie Medikamente. Anders als in Deutschland werden dänische Filialen oft von Farmakonomer betreut – Fachkräften, die mit deutschen Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) vergleichbar sind, aber keine voll ausgebildeten Apotheker. Die finanziellen Belastungen nahmen ebenfalls zu: Apothekenbesitzer müssen 490 Millionen dänische Kronen (rund 66 Millionen Euro) als „sektorale Verpflichtung“ über 20 bis 30 Jahre zurückzahlen.
Dr. Claus Pöhlmann untersuchte in seiner Doktorarbeit, ob Dänemarks Reformen auf Deutschland übertragbar wären. Seine Forschung zeigt die Herausforderungen und möglichen Folgen einer ähnlichen Marktliberalisierung und Kostensenkungsstrategie auf.
Die Reformen haben in Dänemark zu weniger Apothekenbesitzern, aber mehr Standorten geführt – viele davon mit reduziertem Personal und Leistungsumfang. Filialleiter verwalten heute mehrere Niederlassungen, während die Branche mit langfristigen Schuldenrückzahlungen belastet ist. Der Wandel hin zu schlankeren Abgabemodellen und dem Wettbewerb durch den Einzelhandel hat die Art und Weise, wie Medikamente im Land verkauft und verteilt werden, nachhaltig verändert.






