Berliner Einwegsteuer auf To-go-Verpackungen sorgt für Ärger bei Gastronomie und Kunden
Karl-Friedrich WielochSteuerstreit um Verpackungssteuer: 'Das ist doch schon frech' - Berliner Einwegsteuer auf To-go-Verpackungen sorgt für Ärger bei Gastronomie und Kunden
Berlin führt zum Jahresbeginn eine neue Steuer auf Einwegverpackungen für Essen zum Mitnehmen ein** – doch die Maßnahme, die Abfall reduzieren soll, stößt bei Restaurants und Kunden auf Widerstand. Viele Betriebe kritisieren, die Regelung sei zu früh eingeführt worden, noch bevor nachhaltige Alternativen flächendeckend verfügbar seien.
Die Abgabe beläuft sich auf 50 bis 70 Cent pro Bestellung von warmen Speisen zum Mitnehmen und gilt für Einwegbehälter. Wiederverwendbare Lösungen sind jedoch kaum vorhanden: Berlins "Mehrweg-Initiative" deckt bisher nur Becher ab, nicht aber Lebensmittelboxen. Eine Ausweitung des Systems auf weitere Verpackungen ist erst für 2027 geplant.
Aus der Gastronomie kommt scharfe Kritik. Viele Betroffene fordern, die Stadt hätte zunächst ein vollständiges Mehrwegsystem aufbauen müssen, bevor sie die Steuer einführt. Einige Restaurantbesitzer berichten von Kundenverlusten, andere nutzen Schlupflöcher – etwa indem sie leere Pizzakartons als "Geschenk" aushändigen oder Bestellungen knapp außerhalb der Steuerzone entgegennehmen.
Die Stadtverwaltung bezeichnet die Einführung als "Anpassungsphase" und räumt Anlaufschwierigkeiten ein. In Gesprächen mit rund 200 Betrieben wurden die Regeln erläutert. Eine umfassende Evaluation der Steuerwirkungen ist erst für 2026 vorgesehen – zwei Jahre nach dem Start.
Berlin ist nicht die einzige Stadt, die gegen To-go-Müll vorgeht. Mindestens zehn deutsche Kommunen, darunter Tübingen und Bonn, haben ähnliche Gebühren eingeführt. In Tübingen fallen 20 bis 50 Cent pro Bestellung an, sofern keine Mehrwegverpackung genutzt wird. Bonn erhebt einen Aufschlag auf Einwegplastik und fördert Pfandsysteme.
Trotz des anfänglichen Widerstands bleibt die Steuer vorerst bestehen. Bis 2027, wenn flächendeckend wiederverwendbare Behälter verfügbar sein sollen, müssen sich die Betriebe anpassen. Die Stadt betont, die Maßnahme sei notwendig – auch wenn der Übergang für Gastronomie und Kunden holprig verlaufe.






