Beförderungsstreit in Baden-Württemberg: Gymnasien fühlen sich benachteiligt gegenüber Gemeinschaftsschulen
Eberhard KuhlBeförderungsstreit in Baden-Württemberg: Gymnasien fühlen sich benachteiligt gegenüber Gemeinschaftsschulen
Das Kultusministerium Baden-Württembergs hat Pläne für neue Aufstiegsmöglichkeiten für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen vorgestellt. Bis Mai 2026 sollen mehrere hundert Stellen der Besoldungsgruppe A14 an verschiedenen Schulformen besetzt werden. Die Initiative stößt jedoch auf Kritik beim Philologenverband, der den Gymnasien eine ungerechte Benachteiligung vorwirft.
Der Verband wirft dem Ministerium vor, Beförderungsstellen von den Gymnasien an Gemeinschaftsschulen zu verlagern – und zwar ohne ausreichende Finanzierung oder langfristige Planung. Aus offiziellen Zahlen geht hervor, dass seit 2021 von den 1.400 verfügbaren A14-Stellen 1.053 an Gemeinschaftsschulen gegangen sind, während für Gymnasiallehrkräfte entsprechend weniger übrig bleiben.
Grundlage des Beförderungsverfahrens ist die Verwaltungsvorschrift "Beförderung zur Oberstudienrätin/zum Oberstudienrat", die zuletzt am 19. März 2001 aktualisiert wurde. Diese Besoldungsstufe markiert für erfahrene Lehrkräfte einen wichtigen Karriereschritt, der oft mit zusätzlichen Verantwortlichkeiten einhergeht. Die Beförderungen erfolgen jährlich über offene Bewerbungsverfahren oder Leistungsbeurteilungen.
Laut vorläufigen Ministeriumsdaten von Anfang 2026 stehen Gymnasiallehrkräften nur 81 der neuen A14-Stellen zur Verfügung. Demgegenüber sind 203 Stellen für Berufsschulen reserviert, weitere Chancen ergeben sich an Gemeinschaftsschulen. Der Philologenverband argumentiert, das Ministerium verlagere systematisch Beförderungsmöglichkeiten von den Gymnasien zu anderen Schulformen – ohne den Gesamtetat aufzustocken.
Die Vereinigung bezeichnet die Politik als "Budget-Trickerei" und warnt vor einer "strukturellen Unterfinanzierung" der Gymnasien. Die angestrebte Gleichstellung der Aufstiegschancen zwischen den Schulformen sei nicht mit den notwendigen finanziellen Mitteln unterlegt. In der Folge sehen sich viele Gymnasiallehrkräfte in ihrer Karriereentwicklung ausgebremst, da erforderliche A14-Stellen ihrer Ansicht nach an andere Schulformen umgelenkt würden.
Bis Mitte 2026 soll das Ministerium zwar Hundert Beförderungen in die Besoldungsgruppe A14 umsetzen, doch die Verteilung sorgt für heftige Kritik. Im Vergleich zu Gemeinschafts- und Berufsschulen erhalten die Gymnasien deutlich weniger Stellen. Der Philologenverband betont, die aktuelle Praxis führe zu strukturellen Ungleichgewichten und benachteilige die Lehrkräfte an Gymnasien systematisch.