02 January 2026, 10:46

Autobranche im Umbruch: Wie Software und Elektroautos die Werkstätten unter Druck setzen

Eine Stadtansicht mit Kraftfahrzeugen auf Straßen, Gebäuden, Bäumen, Strommasten mit Kabeln, Geländern und Himmel.

Autobranche im Umbruch: Wie Software und Elektroautos die Werkstätten unter Druck setzen

Deutscher Automobilsektor steht vor tiefgreifenden Umbrüchen durch Software, Elektroautos und Datenzugang

Die deutsche Automobilbranche sieht sich mit grundlegenden Veränderungen konfrontiert, da Software, Elektroautos und der Zugang zu Daten die Industrie neu prägen. Imelda Labbé, Präsidentin des VDIK – dem Verband, der 39 internationale Automobilmarken in Deutschland vertritt – fordert klarere politische Vorgaben und pragmatischere Lösungen. Ihre Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund von Sorgen über Marktinstabilitäten, widersprüchliche Regulierungen und die finanzielle Belastung von Werkstätten durch den Aufstieg der Elektroautos.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Labbé betonte die wachsende Bedeutung von Software als treibende Kraft des Wandels in der Branche. Vernetzte Fahrzeughersteller nutzen Daten zunehmend, um Kunden zu binden – gleichzeitig locken sie damit aber auch neue Wettbewerber auf den Markt. Sie forderte die EU-Kommission in Brüssel auf, klare Regeln zu schaffen, und die Bundesregierung in Berlin, diese konsequent umzusetzen. Gleichzeitig müssten die Hersteller die Verbraucher bei der Anpassung an diese Entwicklungen unterstützen.

Die VDIK-Präsidentin warnte zudem vor den Folgen der massiven Rabatte auf Elektroautos, die eingeführt wurden, um CO₂-Strafen zu vermeiden. Diese Preissenkungen drückten die Restwerte und destabilisierten den Gebrauchtwagenmarkt. Als Gegenmaßnahmen schlägt der VDIK gezielte Förderungen vor, etwa durch Anreizprogramme, Batteriegesundheitszertifikate und bessere Prognosen zu Restwerten. In der Politik kritisierte Labbé die uneinheitlichen Signale aus Berlin und Brüssel zu Übergangstechnologien wie Plug-in-Hybriden. Sie plädierte für mehr technologische Offenheit und weniger ideologische Debatten und forderte eine engere Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Herstellern und Händlern. Zudem hob sie die Notwendigkeit stabiler Strompreise und eines schnelleren Ausbaus der Ladeinfrastruktur hervor – denn Elektromobilität funktioniere nur dort, wo Infrastruktur und Kosten den Kundenbedürfnissen entsprechen.

Auch die Werkstätten geraten unter Druck: Elektroautos erbringen 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz als herkömmliche Fahrzeuge, während Lohn- und Strukturkosten weiter steigen. Der VDIK lehnt branchenspezifische Datenzugangsregeln ab und setzt stattdessen auf eine strategische Datennutzung, die dem gesamten Automobilhandel zugutekommt. Der Verband vertritt fast die Hälfte aller Neuzulassungen in Deutschland; zu seinen Mitgliedern zählen Marken aus 14 Ländern – von den USA und Japan bis hin zu China und der Türkei. Über 18 nationale Industriegruppen sichert sich der VDIK eine breite internationale Perspektive in seinen politischen Empfehlungen.

Labbés Aussagen unterstreichen die Dringlichkeit abgestimmter Maßnahmen zwischen Regulierern und Industrie, um den Markt zu stabilisieren. Ohne klarere Vorgaben zu Daten, Infrastruktur und Anreizen droht der Übergang zu softwarebasierter und elektrischer Mobilität weitere Verwerfungen. Der Erfolg dieser Transformation, so Labbé, hänge von ausgewogenen Entscheidungen in Brüssel, einer praxisnahen Umsetzung in Berlin und einer starken Führung durch die Hersteller ab.