03 April 2026, 04:20

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge mehr Zuschauer binden?

Eine Gruppe von Journalisten mit Mikrofonen, Kameras und Papieren steht vor einer Menge von Reportern während einer Interview-Session im Freien vor einem Gebäude.

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge mehr Zuschauer binden?

Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startet mit einer 30-minütigen Ausgabe um 20:15 Uhr am Montagabend. Der Sender möchte harte Nachrichten mit persönlichen Geschichten verbinden, um die Sendung alltagsrelevanter zu gestalten.

Die Einschaltquoten der klassischen Tagesschau um 20:00 Uhr bleiben hoch – oft verfolgen mehr als acht Millionen Zuschauer die Sendung. Dennoch hofft die ARD, dass das erweiterte Format noch mehr Vertrauen schafft und neue Zielgruppen anspricht.

Hinter dem Experiment steht die Idee, globale Ereignisse mit nachvollziehbaren, alltäglichen Perspektiven zu verknüpfen. Jörg Schönenborn, Programmdirektor für Information, Fiktion und Unterhaltung beim WDR, beschreibt den Ansatz als Möglichkeit, große Themen mit dem Leben der Zuschauer zu verknüpfen. Die ARD glaubt, dass dies die Bindung und Glaubwürdigkeit stärken könnte.

Nicht alle stehen dem Vorhaben positiv gegenüber. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, argumentiert, dass 15 Minuten für Nachrichten ausreichen, und warnt vor Störungen im ARD-Abendprogramm. Anna Mayr, Journalistin bei Die Zeit, hinterfragt, ob die Länge das eigentliche Problem sei, und verweist stattdessen auf die Inhaltsqualität. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung zweifelt daran, ob der Versuch, durch Alltagsbezüge relevanter zu werden, die richtige Strategie ist.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass die klassische Tagesschau weiterhin gut performt: So verfolgten sie 2025–2026 im Schnitt 5,87 Millionen (27,5 % Marktanteil) bzw. 8,12 Millionen Zuschauer (30,6 %). Auch Sondersendungen wie eine zweieinhalbstündige Wahlausgabe erreichten 2,83 Millionen Zuschauer. Allerdings schwankt der Marktanteil von Das Erste – nach Zuwächsen 2021 und 2024 sank er im März auf 13,3 %.

Die 30-minütige Version bleibt vorerst ein Test. Die ARD hat noch nicht entschieden, ob die längere Sendedauer dauerhaft eingeführt wird. Der Versuch spiegelt die Bemühungen des Senders wider, sein Nachrichtenangebot an veränderte Sehgewohnheiten anzupassen. Sollte das Experiment gelingen, könnte die längere Tagesschau die Abendprogrammgestaltung neu prägen. Vorerst wird die ARD jedoch Rückmeldungen und Einschaltquoten auswerten, bevor eine endgültige Entscheidung fällt.

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